Ein Klemmbrett ist kein Vogel: Gericht weist easyJets Verteidigung mit „Vogelschlag“ zurück
Friday, October 16, 2026
Vögel können fliegen, Klemmbretter normalerweise nicht. Genau das war der entscheidende Punkt, als easyJet vor einem britischen Gericht behauptete, ein Klemmbrett, das in eines seiner Triebwerke gesaugt worden war, sei mit einem Vogelschlag vergleichbar. Der Richter ließ sich davon nicht überzeugen und sprach unseren beiden Passagieren jeweils 350 £ (ca. 400 €) zu, nachdem ihr Flug von Liverpool nach Faro mit mehr als drei Stunden Verspätung gelandet war.
Am 25. Juni 2023 gingen zwei Passagiere an Bord des easyJet-Flugs U2 3423 von Liverpool nach Faro, der vom John Lennon Airport abfliegen sollte. In Gedanken waren sie bereits bei der Sonne der Algarve, doch schließlich landeten sie mit 3 Stunden und 21 Minuten Verspätung. Schuld daran waren weder das Wetter noch ein Streik oder ein technischer Defekt, sondern ein einfaches Klemmbrett. Die Frage, ob ihnen deshalb eine Flugverspätungsentschädigung von easyJet zustand, landete schließlich vor Gericht.
Das Klemmbrett, das abhob
Vor dem Abflug war ein Klemmbrett auf einem der Triebwerke des Flugzeugs liegen geblieben und wurde, wie zu erwarten war, vom Triebwerk eingesaugt. Um sicherzustellen, dass alles in Ordnung war, musste das Flugzeug anschließend überprüft werden, bevor es starten konnte. Glücklicherweise wurden keine Schäden festgestellt. Doch als die Maschine schließlich abhob, war die Verspätung bereits weit über die Drei-Stunden-Grenze hinaus angewachsen, ab der Passagiere Anspruch auf Entschädigung haben.
easyJets Verteidigung: „Das ist im Grunde ein Vogelschlag“
Das Ungewöhnliche an diesem Fall ist das Argument, das der Anwalt von easyJet vorbrachte. Er erklärte, noch nie davon gehört zu haben, dass ein Klemmbrett in ein Flugzeugtriebwerk gesaugt worden sei, und versuchte damit, den außergewöhnlichen Charakter des Vorfalls zu betonen. Gleichzeitig behauptete er jedoch, dass Klemmbretter an Flughäfen genauso häufig vorkämen wie Vögel, als hätte das eine etwas mit dem anderen zu tun.
Aber warum hielt es der Anwalt für notwendig, ein Klemmbrett mit einem Vogel gleichzusetzen? Nach der UK261-Verordnung müssen Fluggesellschaften keine Entschädigung für Flugverspätungen zahlen, die durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, die sich nicht hätten vermeiden lassen. Vogelschläge sind dafür das klassische Beispiel, wie der Gerichtshof der Europäischen Union im Fall Pešková gegen Travel Service (C-315/15) bestätigte. Hätte easyJet also nachweisen können, dass ein Klemmbrett gewissermaßen zur gleichen Familie wie Vögel gehört, hätte das die Verteidigung der Airline erheblich gestärkt, auch wenn dieser Vergleich zugegebenermaßen ziemlich weit hergeholt war.
Finden Sie den Unterschied
Auch wenn sich die englischen Begriffe beinahe reimen, konnten wir zwischen Klemmbrettern und Vögeln keine allzu große Ähnlichkeit feststellen. Der Unterschied ist schließlich nicht schwer zu erkennen: Vögel fliegen und können tatsächlich versehentlich in die Flugbahn eines Flugzeugs geraten. Ein Klemmbrett hingegen hat, soweit wir wissen, weder Flügel noch Abenteuerlust und neigt stark dazu, genau dort liegen zu bleiben, wo jemand es abgelegt hat. Bei diesem Vorfall handelte es sich also nicht um ein Naturereignis, sondern um ein Anzeichen dafür, dass das Flugzeug vor dem Abflug nicht ordnungsgemäß kontrolliert worden war.
Der Richter stimmte dem zu und verglich den Vorfall eher mit einem Mechaniker, der einen Schraubenschlüssel in einem Motor zurücklässt, als mit irgendetwas, das einem Vogelschlag ähnelt. Er wies außerdem darauf hin, dass die Person, die ein Klemmbrett an einer solchen Stelle liegen lässt, für ihr Handeln verantwortlich ist.
Daraufhin versuchte easyJet eine andere Argumentation. Die Fluggesellschaft behauptete, der für die Abfertigung zuständige Mitarbeiter, der das Klemmbrett zurückgelassen hatte, sei kein easyJet-Angestellter gewesen und habe daher nicht unter der Kontrolle der Airline gestanden. Allerdings wurden keinerlei Beweise vorgelegt, die diese Behauptung stützten. Da es in einem Verbraucherrechtsstreit an der Fluggesellschaft liegt, ihre Verteidigung zu belegen, kam auch dieses Argument nicht wirklich vom Boden.
Gute Nachrichten für die Passagiere
Am 16. September 2026 entschied das County Court in Luton, dass das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände nicht nachgewiesen worden war, und verurteilte easyJet dazu, jedem Passagier 350 £ (ca. 400 €) zu zahlen.
Die Passagiere hatten ihre Entschädigung für die easyJet-Flugverspätung erstmals im August 2023 über Flight-Delayed.com (die englischsprachige Version von Flug-Verspaetet.at) beantragt, etwa sechs Wochen nach ihrem Flug. Als easyJet nicht zahlte, brachte unser britisches Rechtsteam den Fall vor Gericht. Die Entschädigung wurde inzwischen vollständig ausgezahlt. Zwei Passagiere, ein Urteil: Man könnte sagen, wir haben zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen – oder besser gesagt, mit einem Klemmbrett.
Was das für Ihre Entschädigung bei einer easyJet-Flugverspätung bedeutet
„Außergewöhnliche Umstände“ sind kein Joker, den Fluggesellschaften nach Belieben ausspielen können. Ganz gleich, ob Sie eine Entschädigung von easyJet oder einer anderen Fluggesellschaft für einen annullierten oder verspäteten Flug verlangen: Es gilt immer dieselbe Regel. Die Fluggesellschaft muss nachweisen, dass außergewöhnliche Umstände vorlagen. Herumliegende Büroartikel oder Fehler von Personen, die das Flugzeug für den Abflug vorbereiten, fallen in der Regel nicht darunter.
Möglicherweise steht Ihnen mehr zu, als Sie denken: Gemäß EU261 hängt die Entschädigung bei einer Verspätung von 3 Stunden nicht davon ab, wie viel Sie für Ihr Ticket bezahlt haben, sondern ausschließlich von der Flugstrecke: €250 pro Passagier für Flüge unter 1.500 km, €400 für Flüge zwischen 1.500 und 3.500 km, wie etwa von Liverpool nach Faro, und bis zu €600 für längere Flüge.
Auch ältere Flüge zählen noch: In England und Wales beträgt die Verjährungsfrist für Entschädigungsansprüche bei Flugverspätungen sechs Jahre. Diese Passagiere, die 2023 geflogen sind und 2026 vor Gericht gewonnen haben, zeigen, dass sich Geduld auszahlt, insbesondere wenn die Ausrede einer Fluggesellschaft so kreativ ist wie in diesem Fall.
War Ihr Flug verspätet, wurde er annulliert oder war er überbucht, sei es wegen herumliegender Klemmbretter, vergessener Schraubenschlüssel oder aus irgendeinem anderen Grund? Überprüfen Sie Ihren Flug auf Flug-Verspaetet.at, um herauszufinden, ob Ihnen eine Entschädigung zusteht – ohne Erfolg keine Kosten.

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